Balkonkraftwerk mit Home Assistant überwachen: Ertrag, Verbrauch und Einspeisung lokal messen

Die App deines Wechselrichterherstellers zeigt 620 Watt Solarleistung.

Aber wie viel davon verbraucht dein Haus gerade selbst?

Wie viel Strom kommt zusätzlich aus dem Netz?

Und wie viel Solarstrom verschenkst du momentan als Überschuss?

Genau hier wird Home Assistant für ein Balkonkraftwerk interessant.

Statt nur die Produktion des Wechselrichters zu betrachten, kannst du verschiedene Messwerte an einer Stelle zusammenführen:

  • PV-Erzeugung
  • Netzbezug
  • Einspeisung
  • einzelne Verbraucher
  • Batteriespeicher
  • Smart Meter oder IR-Lesekopf

Damit wird aus einer hübschen Solar-App eine echte Energiebilanz deines Haushalts.

Die Kurzantwort

Für eine sinnvolle Balkonkraftwerk-Auswertung brauchst du im Idealfall mindestens zwei Datenquellen:

1. Wie viel produziert dein Balkonkraftwerk gerade?

und

2. Wie viel Strom fließt am Netzanschluss hinein oder hinaus?

Die PV-Produktion kann beispielsweise direkt vom Wechselrichter kommen.

Den Netzfluss kannst du unter anderem mit:

  • einem kompatiblen IR-Lesekopf,
  • einem Shelly Pro 3EM,
  • einem anderen Energiezähler

erfassen.

Home Assistant führt die Daten anschließend zusammen.

So kannst du nicht nur sehen:

„Mein Balkonkraftwerk produziert gerade 500 Watt.“

Sondern beispielsweise:

„500 Watt PV, 350 Watt Hausverbrauch, 150 Watt Einspeisung.“

Das ist für Eigenverbrauch und Speicherplanung wesentlich wertvoller.

Was Home Assistant beim Balkonkraftwerk besser macht als eine Hersteller-App

Viele Wechselrichter-Apps konzentrieren sich auf die Solaranlage.

Sie zeigen beispielsweise:

  • aktuelle PV-Leistung,
  • Tagesertrag,
  • Gesamtertrag.

Das ist nützlich.

Aber damit kennst du noch nicht automatisch deinen Eigenverbrauch.

Ein Beispiel:

Dein Wechselrichter produziert gerade:

600 Watt

Fall A:

Dein Haus benötigt gleichzeitig 550 Watt.

Dann werden nur ungefähr 50 Watt eingespeist.

Fall B:

Dein Haus benötigt nur 100 Watt.

Dann fließen ungefähr 500 Watt ins Netz.

Die PV-Produktion ist in beiden Fällen identisch.

Der wirtschaftliche Nutzen unterscheidet sich aber deutlich.

Genau deshalb reicht der Wechselrichter allein für eine vollständige Energiebilanz nicht aus.

Welche Daten solltest du in Home Assistant erfassen?

Für den Anfang reichen drei Größen.

PV-Erzeugung

Wie viel Leistung liefert dein Balkonkraftwerk gerade?

Einheit:

Watt

Für Tages-, Monats- und Jahresauswertungen zusätzlich:

Kilowattstunden

Netzbezug

Wie viel Leistung bezieht dein Haushalt gerade aus dem öffentlichen Netz?

Einspeisung

Wie viel Leistung fließt aus deinem Haus ins Netz?

Mit diesen Daten kannst du bereits einen großen Teil deines Energieflusses nachvollziehen.

Watt und Kilowattstunden nicht verwechseln

Für Home Assistant ist dieselbe Unterscheidung wichtig wie bei jeder PV-Auswertung.

Watt beschreibt die momentane Leistung.

Beispiel:

420 W

Das ist eine Momentaufnahme.

Kilowattstunden beschreiben eine Energiemenge über einen Zeitraum.

Beispiel:

2,8 kWh heute

Für Live-Anzeigen brauchst du hauptsächlich Leistungswerte.

Für Tages-, Monats- und Jahresauswertungen brauchst du Energiezähler.

Home Assistant kann beide Arten verwenden. Das Energy Dashboard arbeitet unter anderem mit Energiequellen für Netz, Solar und Batterie; auch Leistungswerte können separat dargestellt werden. Wenn nur ein Leistungssensor vorhanden ist, beschreibt die offizielle Dokumentation außerdem Möglichkeiten, daraus einen Energiesensor abzuleiten.

Variante 1: APsystems EZ1 direkt in Home Assistant

Für APsystems-EZ1-Wechselrichter existiert inzwischen eine offizielle Home-Assistant-Integration.

Sie kann den Wechselrichter lokal auslesen.

Unter anderem stehen Sensoren für:

  • aktuelle Gesamtleistung,
  • Leistung Eingang 1,
  • Leistung Eingang 2,
  • Tagesproduktion,
  • Gesamtproduktion

zur Verfügung.

Die Integration erlaubt außerdem eine Einstellung des Ausgangslimits oberhalb von 30 Watt.

Das ist für ein Balkonkraftwerk sehr praktisch:

Du brauchst keine selbst gebaute Zwischenlösung, nur um die PV-Leistung in Home Assistant zu bekommen.

Lokaler Modus

Für die offizielle Integration muss beim EZ1 der lokale Modus aktiviert sein.

Die Home-Assistant-Dokumentation beschreibt dafür die Einstellung Local Mode in der APsystems-App. Je nach bisheriger Cloud-Konfiguration kann es notwendig sein, den Wechselrichter zunächst aus der Cloud-Verbindung zu lösen beziehungsweise sich in der App lokal per Bluetooth zu verbinden.

Das solltest du vor einer Umstellung bewusst prüfen.

Wenn du mit der bestehenden Herstellercloud zufrieden bist, solltest du nicht unüberlegt Einstellungen verändern, nur weil eine lokale Integration technisch möglich ist.

Was der Wechselrichter nicht weiß

Der APsystems EZ1 kann dir sagen, wie viel Solarstrom er produziert.

Er weiß aber nicht automatisch, wie viel dein gesamtes Haus gleichzeitig verbraucht.

Dafür brauchst du eine zweite Messstelle.

Genau das ist der Unterschied zwischen:

PV-Monitoring

und:

Energiemonitoring des Haushalts.

Variante 2: Stromzähler über IR auslesen

Viele moderne digitale Stromzähler besitzen eine optische Schnittstelle.

Mit einem geeigneten IR-Lesekopf kannst du dort Daten auslesen.

Home Assistant unterstützt deutsche EDL21-Stromzähler über SML offiziell. Dafür wird ein Infrarot-Transceiver benötigt. Welche Messwerte verfügbar sind, hängt vom konkreten Zähler ab. Bei einigen Modellen muss beispielsweise ein erweiterter Informationsmodus aktiviert werden.

Das ist für Balkonkraftwerke besonders interessant, weil der Stromzähler genau dort sitzt, wo letztlich entscheidend ist:

Beziehst du Strom oder speist du Strom ein?

Lokale IR-Lösungen

Neben direkt angeschlossenen SML-Leseköpfen gibt es Geräte, die den Stromzähler auslesen und die Daten anschließend über das lokale Netzwerk bereitstellen.

Home Assistant unterstützt beispielsweise den WattWächter Plus offiziell. Dieser liest SML-/OBIS-Daten des Stromzählers aus und stellt Verbrauch, Einspeisung und weitere Werte über eine lokale HTTP-Schnittstelle bereit. Die Kommunikation bleibt laut Home-Assistant-Dokumentation im lokalen Netzwerk.

Auch ESPHome kann für verschiedene Stromzählerlösungen verwendet werden.

Die Home-Assistant-Dokumentation nennt für deutsche Zähler insbesondere SML als verbreiteten Weg und verweist außerdem auf MQTT-basierte Möglichkeiten.

Variante 3: Shelly Pro 3EM

Statt den vorhandenen Stromzähler auszulesen, kannst du eine eigene Messung in der Elektroverteilung installieren.

Ein typisches Beispiel ist der Shelly Pro 3EM.

Shelly-Geräte besitzen eine offizielle Home-Assistant-Integration und können lokal mit Home Assistant kommunizieren. Home Assistant kann Shelly-Geräte normalerweise automatisch erkennen; die Daten werden bei unterstützten Geräten lokal an Home Assistant übertragen.

Der Vorteil:

Du bist weniger davon abhängig, welche Werte dein offizieller Stromzähler über seine optische Schnittstelle herausgibt.

Außerdem lassen sich die Phasen detaillierter betrachten.

Der Nachteil:

Ein Shelly Pro 3EM wird im Stromverteiler installiert.

Das ist keine typische DIY-Arbeit am Balkonkraftwerk.

Welche Lösung besser zu dir passt, vergleichen wir ausführlich unter Shelly Pro 3EM oder IR-Lesekopf: Welche Messlösung passt zum Balkonkraftwerk?

Welche Variante würde ich für den Einstieg wählen?

Nicht automatisch die technisch aufwendigste.

Wenn dein vorhandener Stromzähler:

  • kompatibel ist,
  • Netzbezug und Einspeisung liefert,
  • ausreichend schnell aktualisiert,
  • und sich lokal auslesen lässt,

kann ein IR-Lesekopf völlig ausreichen.

Wenn du dagegen:

  • einzelne Phasen sehen möchtest,
  • unabhängig vom Stromzählermodell messen möchtest,
  • oder komplexere Automationen planst,

kann eine eigene Energiemessung interessanter werden.

Die Messlösung sollte sich nach deinem Ziel richten.

Nicht umgekehrt.

So entsteht eine echte Energiebilanz

Nehmen wir ein Balkonkraftwerk ohne Speicher.

Home Assistant kennt:

PV-Leistung:

600 W

Stromzähler:

150 W Einspeisung

Dann lässt sich näherungsweise ableiten:

600 W PV − 150 W Einspeisung = 450 W momentaner Hausverbrauch

Zumindest unter der Annahme, dass keine weiteren Energiequellen oder Speicher den Energiefluss verändern.

Ein anderes Beispiel:

PV:

300 W

Netzbezug:

250 W

Dann liegt der momentane Hausverbrauch näherungsweise bei:

550 W

300 Watt kommen aus der PV.

250 Watt aus dem Netz.

Genau solche Zusammenhänge machen Home Assistant interessant.

Achtung: Mit Batteriespeicher wird die Rechnung komplexer

Sobald ein Speicher vorhanden ist, reichen PV- und Netzleistung allein nicht mehr für jede Aussage.

Denn der Akku kann:

  • gerade laden,
  • gerade entladen,
  • aus PV laden,
  • je nach System aus dem Netz laden.

Für eine vollständige Bilanz brauchst du dann möglichst auch die Batterieleistung.

Vereinfacht:

Hausverbrauch = PV + Netzbezug + Batterieentladung − Einspeisung − Batterieladung

Die genaue Berechnung hängt allerdings davon ab, an welchen Stellen die einzelnen Sensoren messen.

Deshalb sollte man nicht einfach irgendwelche Sensorwerte miteinander verrechnen.

Zuerst muss klar sein:

Was misst dieser Sensor eigentlich?

Home Assistant Energy Dashboard

Home Assistant besitzt ein eigenes Energy Dashboard.

Dort können unter anderem eingebunden werden:

  • Netzbezug,
  • Netzeinspeisung,
  • Solarproduktion,
  • Batteriespeicher,
  • einzelne Verbraucher.

Home Assistant beschreibt das Dashboard ausdrücklich als zentrale Ansicht für Verbrauch, Erzeugung und Speicherung und unterstützt Geräte verschiedener Hersteller.

Damit kannst du beispielsweise sehen:

  • PV-Ertrag pro Tag,
  • Netzbezug,
  • Einspeisung,
  • Eigenverbrauch,
  • Energie einzelner Verbraucher.

Die Darstellung ersetzt allerdings keine saubere Messung.

Wenn die Eingangssensoren falsch konfiguriert sind, wird auch das schönste Dashboard falsche Werte zeigen.

Welche Sensoren gehören ins Energy Dashboard?

Für historische Energieauswertungen benötigst du normalerweise Energiesensoren in:

kWh

Ein Leistungssensor in:

W

zeigt dagegen die aktuelle Leistung.

Beispiel:

sensor.pv_power

mit:

520 W

ist ideal für eine Live-Anzeige.

Für:

„Wie viel Solarstrom habe ich heute erzeugt?“

brauchst du dagegen einen entsprechenden Energiezähler.

Viele Wechselrichterintegrationen liefern solche Werte bereits.

Beim APsystems EZ1 sind beispielsweise Tages- und Gesamtproduktion als kWh-Sensoren vorhanden.

Ein sinnvolles Balkonkraftwerk-Dashboard

Ich würde am Anfang keine 35 Diagramme bauen.

Vier Bereiche reichen.

Aktuell

  • PV-Leistung
  • Hausverbrauch
  • Netzbezug
  • Einspeisung

Heute

  • PV-Ertrag
  • Netzbezug
  • Einspeisung
  • geschätzter beziehungsweise gemessener Eigenverbrauch

Verlauf

Diagramm über:

  • PV-Leistung
  • Netzfluss
  • optional Hausverbrauch

Speicher

Falls vorhanden:

  • Ladezustand
  • Lade-/Entladeleistung
  • gespeicherte Energie

Damit beantwortet das Dashboard tatsächlich Fragen.

Welche Frage sollte dein Dashboard beantworten?

Ein gutes Dashboard zeigt nicht möglichst viele Sensoren.

Es beantwortet beispielsweise:

Wann entsteht mein PV-Überschuss?

Wie hoch ist meine Grundlast nachts?

Wie viel Netzstrom benötige ich abends?

Wann wäre ein Speicher überhaupt in der Lage zu laden?

Welche Verbraucher verursachen Lastspitzen?

Wenn ein Diagramm keine Entscheidung verbessert, brauchst du es wahrscheinlich nicht.

Einzelne Verbraucher messen

Home Assistant kann zusätzlich einzelne Geräte erfassen.

Dafür eignen sich beispielsweise Messsteckdosen.

Typische Kandidaten:

  • Kühlschrank
  • Gefrierschrank
  • Waschmaschine
  • Geschirrspüler
  • Unterhaltungselektronik
  • Servertechnik
  • Büro

Das bedeutet aber nicht, dass jedes Gerät permanent einen eigenen Zwischenstecker braucht.

Für die Eigenverbrauchsoptimierung reichen oft einige große oder zeitlich verschiebbare Verbraucher.

Automationen: Hier wird Home Assistant wirklich interessant

Monitoring ist nur die erste Stufe.

Sobald gute Messwerte vorhanden sind, lassen sich daraus Automationen bauen.

Beispiel:

Wenn die Netzeinspeisung länger als fünf Minuten über 400 Watt liegt → Verbraucher einschalten.

Denkbare Verbraucher:

  • Ladegerät
  • Warmwassergerät, wenn technisch dafür vorgesehen
  • Haushaltsgerät mit geeigneter Steuerungsmöglichkeit
  • Batteriespeicher

Aber:

Nicht jeder Verbraucher sollte einfach hart über eine smarte Steckdose ein- und ausgeschaltet werden.

Gerätehersteller und elektrische Anforderungen haben Vorrang.

Beispiel: Überschuss erkennen

Angenommen, dein Zähler zeigt:

−450 W

wobei das Minus in deinem konkreten System Einspeisung bedeutet.

Home Assistant könnte daraus erkennen:

Es sind derzeit ungefähr 450 Watt Solarüberschuss vorhanden.

Eine Automation könnte erst reagieren, wenn:

  • mehr als 300 Watt Überschuss vorhanden sind,
  • dieser Zustand fünf Minuten anhält,
  • und der gewünschte Verbraucher verfügbar ist.

So vermeidest du, dass bei jeder kurzen Wolkenlücke geschaltet wird.

Warum Hysterese wichtig ist

PV-Leistung schwankt.

Ohne vernünftige Schaltschwellen kann eine Automation ständig ein- und ausschalten.

Beispiel:

Einschalten bei:

400 W Überschuss

Ausschalten erst unter:

150 W Überschuss

Zusätzlich:

Mindestlaufzeit.

Das nennt man vereinfacht eine Hysterese.

Sie verhindert unnötiges Hin- und Herschalten.

Home Assistant für einen Speicher

Ein Batteriespeicher ist ein besonders interessanter Anwendungsfall.

Grundsätzlich könnte Home Assistant beispielsweise Informationen liefern über:

  • Netzfluss,
  • PV-Leistung,
  • Strompreis,
  • Ladezustand,
  • Wetterprognose.

Damit wären komplexe Steuerungen möglich.

Ob Home Assistant einen konkreten Speicher tatsächlich steuern kann, hängt aber von dessen Schnittstellen ab.

Nicht jedes System erlaubt:

  • Ladeleistung verändern,
  • Entladeleistung verändern,
  • Ladegrenze setzen,
  • Netzladung starten.

Deshalb sollte vor dem Kauf geprüft werden:

Was kann ich lokal lesen – und was kann ich tatsächlich steuern?

Cloud oder lokal?

Für Alltag-PV würde ich lokale Integrationen grundsätzlich bevorzugen, wenn sie zuverlässig verfügbar sind.

Warum?

Wenn eine Automation ausschließlich über eine Herstellercloud läuft, hängt sie zusätzlich ab von:

  • Internetverbindung,
  • Herstellerserver,
  • API-Verfügbarkeit,
  • möglichen Änderungen des Cloud-Dienstes.

Lokale Kommunikation kann diese Abhängigkeit reduzieren.

Home Assistant klassifiziert beispielsweise die offizielle APsystems-EZ1-Integration als Local Polling; Shelly unterstützt lokale Kommunikation ebenfalls direkt.

Das bedeutet nicht:

Cloud ist grundsätzlich schlecht.

Aber lokale Daten sind für ein dauerhaftes Energiemonitoring ein klarer Pluspunkt.

Brauche ich Home Assistant für ein Balkonkraftwerk?

Nein.

Wenn du nur wissen möchtest:

„Wie viel Strom produziert mein Balkonkraftwerk heute?“

reicht die Hersteller-App oft völlig aus.

Home Assistant lohnt sich stärker, wenn du mehrere Datenquellen verbinden möchtest.

Beispielsweise:

  • Wechselrichter
  • Stromzähler
  • Speicher
  • Smart Plugs
  • dynamischer Tarif

Dann entsteht ein Gesamtbild, das ein einzelner Hersteller normalerweise nicht liefern kann.

Wann Home Assistant unnötig kompliziert wird

Man kann PV-Monitoring auch übertreiben.

Wenn du drei Tage brauchst, um eine Automation zu programmieren, die dir anschließend 2 Euro pro Jahr spart, ist das wirtschaftlich keine Optimierung.

Home Assistant kann Spaß machen.

Das ist völlig legitim.

Dann sollte man Komfort und Hobby aber von Wirtschaftlichkeit trennen.

Genau dieselbe Regel gilt wie beim Speicher:

Mehr Technik bedeutet nicht automatisch mehr Ersparnis.

Der Alltag-PV-Einstieg in Home Assistant

Ich würde in dieser Reihenfolge beginnen:

Schritt 1: PV integrieren

Wechselrichterdaten einbinden.

Schritt 2: Netzfluss messen

IR-Lesekopf, Shelly oder andere geeignete Messung ergänzen.

Schritt 3: Daten beobachten

Noch nichts automatisieren.

Mindestens einige typische Tage ansehen.

Schritt 4: Verbraucher identifizieren

Wann entsteht Überschuss?

Welche Lasten sind verschiebbar?

Schritt 5: einfache Automation bauen

Nur einen sinnvollen Verbraucher automatisieren.

Schritt 6: Ergebnis kontrollieren

Hat sich:

  • Eigenverbrauch erhöht?
  • Netzbezug verringert?
  • oder nur die Technik vermehrt?

Das ist wichtiger als die Anzahl deiner Automationen.

Welche Hardware brauchst du?

Es gibt keinen festen Home-Assistant-PV-Warenkorb.

Je nach vorhandener Technik brauchst du möglicherweise nur:

Home Assistant + vorhandenen Wechselrichter

oder zusätzlich:

  • IR-Lesekopf
  • Shelly Pro 3EM
  • Messsteckdosen
  • geeigneten Home-Assistant-Server

Wenn du zuerst herausfinden möchtest, ob IR-Lesekopf oder feste Energiemessung sinnvoller ist, lies unseren Vergleich Shelly Pro 3EM oder IR-Lesekopf.

Häufige Fragen

Kann Home Assistant meinen Balkonkraftwerk-Ertrag anzeigen?

Ja, wenn dein Wechselrichter oder eine andere Messquelle eine unterstützte Integration besitzt. Für den APsystems EZ1 gibt es beispielsweise eine offizielle lokale Integration mit aktuellen Leistungs- und Energieinformationen.

Kann Home Assistant meine Einspeisung messen?

Home Assistant misst sie nicht selbst. Es benötigt einen Sensor dafür – beispielsweise einen kompatiblen IR-Lesekopf am Stromzähler oder einen geeigneten Energiezähler.

Kann ich meinen digitalen Stromzähler direkt einbinden?

Bei kompatiblen deutschen EDL21-Zählern unterstützt Home Assistant die Auslesung per SML und Infrarot-Transceiver. Welche Daten zur Verfügung stehen, hängt vom Zähler ab.

Brauche ich einen Shelly Pro 3EM?

Nicht automatisch. Wenn dein vorhandener Zähler die notwendigen Netzflussdaten zuverlässig liefert, kann ein IR-Lesekopf ausreichen.

Funktioniert Home Assistant ohne Herstellercloud?

Viele Integrationen arbeiten lokal. Dazu gehören beispielsweise die offizielle APsystems-EZ1-Integration und Shelly. Andere Geräte können dagegen von Cloud-Diensten abhängig sein.

Kann Home Assistant meinen Speicher automatisch steuern?

Nur wenn das konkrete Speichersystem entsprechende Steuerungsmöglichkeiten bereitstellt. Daten auslesen und ein Gerät aktiv steuern sind zwei unterschiedliche Dinge.

Kann ich Home Assistant zur Nulleinspeisung verwenden?

Technisch können Messwerte und Automationen Teil einer entsprechenden Regelstrategie sein. Ob das zuverlässig und zulässig mit einem konkreten Wechselrichter oder Speicher funktioniert, hängt jedoch vom System ab. Dieses Thema behandeln wir separat im Ratgeber Nulleinspeisung beim Balkonkraftwerk.

Fazit: Home Assistant wird interessant, sobald du Energieflüsse statt einzelner Geräte sehen willst

Für die reine Anzeige des PV-Ertrags brauchst du Home Assistant nicht zwingend.

Seine Stärke beginnt dort, wo mehrere Systeme zusammenkommen:

PV-Erzeugung + Hausverbrauch + Netzbezug + Einspeisung + Speicher + Verbraucher.

Erst daraus entsteht ein wirklich brauchbares Bild deines Haushalts.

Und genau diese Daten helfen anschließend bei den Fragen, die wirtschaftlich relevant sind:

Wann entsteht Überschuss?

Wie hoch ist meine Grundlast?

Welche Verbraucher kann ich verschieben?

Würde ein Speicher tatsächlich Energie nutzen können?

Home Assistant ist deshalb kein Spargerät.

Es ist zunächst ein Werkzeug zum Messen und Verstehen.

Was du anschließend daraus optimierst, entscheidet über den tatsächlichen Nutzen.

Messen. Verstehen. Optimieren. Erst dann kaufen.