Ein Speicher mit 2 kWh Kapazität bekommt 2 kWh Solarstrom.
Also kommen später wieder 2 kWh im Haushalt an.
So einfach funktioniert ein Batteriespeicher leider nicht.
Beim Laden, Speichern, Umwandeln und Entladen geht Energie verloren. Zusätzlich benötigt die Elektronik selbst Strom.
Deshalb solltest du bei einer Wirtschaftlichkeitsrechnung niemals davon ausgehen:
1 gespeicherte kWh = 1 vermiedene kWh Netzstrom.
Wo entstehen die Verluste?
Ein Speichersystem besteht nicht nur aus Akkuzellen.
Zum System gehören unter anderem:
- Leistungselektronik,
- Batteriemanagement,
- Wechselrichter,
- Steuerung,
- Kommunikation,
- Messung.
Je nach Architektur kommen weitere Umwandlungsstufen hinzu.
Die wichtigsten Verlustquellen sind:
- Umwandlung beim Laden
- interne Batterieverluste
- Umwandlung beim Entladen
- Stand-by-Verbrauch
- Eigenverbrauch der Steuerung
- ungünstige Teillast
- zeitweise unnötige Netz- oder PV-Flüsse durch langsame Regelung
Was bedeutet Wirkungsgrad?
Ein Wirkungsgrad von 90 Prozent bedeutet vereinfacht:
Von 1 kWh eingesetzter Energie bleiben 0,9 kWh nutzbar.
0,1 kWh gehen dabei verloren.
Aber Vorsicht:
Auf Datenblättern können unterschiedliche Wirkungsgrade stehen.
Beispielsweise:
- Batteriewirkungsgrad,
- Wechselrichterwirkungsgrad,
- maximaler Wirkungsgrad,
- Round-Trip-Wirkungsgrad,
- Gesamtwirkungsgrad.
Diese Werte sind nicht austauschbar.
Warum der maximale Wirkungsgrad wenig aussagen kann
Hersteller nennen häufig sehr hohe Maximalwerte.
Diese werden aber in einem bestimmten günstigen Betriebspunkt erreicht.
Ein Speicher arbeitet im echten Haushalt nicht ständig dort.
Gerade nachts werden häufig nur 50, 100 oder 200 Watt benötigt.
Die HTW Berlin weist darauf hin, dass die Effizienz bei niedrigen Entladeleistungen stark vom Wechselrichter abhängt. In Untersuchungen konnte ein System mit einem angegebenen maximalen Wirkungsgrad von über 98 Prozent bei 100 Watt Entladeleistung nur rund 54 Prozent Umwandlungswirkungsgrad erreichen.
Das bedeutet nicht, dass alle kleinen Speicher nachts nur 54 Prozent erreichen.
Es zeigt aber:
Ein einzelner Maximalwirkungsgrad reicht für eine Kaufentscheidung nicht.
Verlust 1: Laden der Batterie
Solarmodule liefern zunächst elektrische Energie.
Je nach System wird diese Spannung angepasst oder von AC zurück in DC gewandelt.
Dabei entstehen Umwandlungsverluste.
Bei einem DC-gekoppelten System kann der Ladeweg kürzer sein.
Bei einem AC-System kann eine zusätzliche AC/DC-Wandlung erforderlich sein.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass jedes DC-System effizienter ist als jedes AC-System.
Die Qualität der Leistungselektronik ist entscheidend.
Verlust 2: die Batterie selbst
Auch eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie speichert und entlädt Energie nicht vollständig verlustfrei.
Ein Teil wird beispielsweise in Wärme umgesetzt.
Die HTW Berlin hat bei untersuchten Heimspeichern erhebliche Unterschiede zwischen Batteriesystemen festgestellt.
Für Balkonkraftwerk-Speicher sollten solche Werte allerdings nicht einfach übernommen werden, da Bauweise, Leistung und Betriebsprofil anders sein können.
Verlust 3: Entladung und Wechselrichter
Wenn der Akku Gleichstrom liefert, deine Haushaltsgeräte aber Wechselstrom benötigen, muss wieder umgewandelt werden.
Besonders relevant:
Der Wirkungsgrad ist leistungsabhängig.
Ein Wechselrichter kann bei 800 Watt hervorragend arbeiten und bei 80 Watt deutlich schlechter.
Für Balkonkraftwerk-Speicher ist dieser Punkt besonders wichtig, weil gerade Grundlast und Nachtverbrauch häufig im niedrigen dreistelligen Wattbereich liegen.
Verlust 4: Stand-by
Auch ein Speicher, der gerade weder lädt noch entlädt, kann Strom benötigen.
Die Steuerung bleibt aktiv.
WLAN und Messsystem kommunizieren.
Leistungselektronik wartet auf den nächsten Einsatz.
Wie groß dieser Verbrauch sein kann, zeigt die Stromspeicher-Inspektion 2026 der HTW Berlin: Bei den dort getesteten größeren Heimspeichersystemen lagen Stand-by-Werte einzelner Geräte zwischen etwa 4 und 64 Watt.
Diese Zahlen sind keine pauschalen Werte für Balkonkraftwerk-Speicher.
Sie zeigen aber, warum Stand-by nicht ignoriert werden sollte.
10 Watt Dauerverbrauch entsprechen rechnerisch:
10 W × 24 h × 365 = 87,6 kWh pro Jahr.
Ob ein Gerät tatsächlich rund um die Uhr 10 Watt aus dem Netz benötigt, ist wiederum eine andere Frage.
Verlust 5: Regelung
Angenommen, dein Hausverbrauch springt plötzlich von 100 auf 500 Watt.
Ein perfekt reagierender Speicher müsste seine Leistung sofort anpassen.
In der Realität benötigt die Messung und Regelung Zeit.
In dieser Übergangsphase kann kurzfristig:
- Netzstrom bezogen,
- oder Solarstrom eingespeist
werden.
Auch das beeinflusst das reale Ergebnis.
Die HTW fand bei größeren Heimspeichern Reaktionszeiten von etwa 0,2 Sekunden bis über 13 Sekunden.
Für Balkonspeicher gelten andere Gerätewerte, aber das Prinzip bleibt gleich.
Ein einfaches Rechenbeispiel
Nehmen wir an, dein Balkonkraftwerk besitzt 1 kWh überschüssigen Solarstrom.
Wir rechnen bewusst mit drei Szenarien.
10 Prozent Gesamtverluste
Nutzbar:
0,90 kWh
20 Prozent
Nutzbar:
0,80 kWh
30 Prozent
Nutzbar:
0,70 kWh
Bei 32 Cent Strompreis wären diese Energiemengen rechnerisch:
- 28,8 Cent
- 25,6 Cent
- 22,4 Cent
vermiedenen Netzstrom wert.
Der Unterschied wirkt bei einer Kilowattstunde klein.
Über mehrere hundert kWh pro Jahr wird er relevant.
Genau deshalb verwendet unser Speicher-Quick-Check mehrere Verlustszenarien statt einen vermeintlich exakten Universalwirkungsgrad.
Wie hoch sind Speicherverluste wirklich?
Eine seriöse Universalzahl gibt es nicht.
Sie hängen unter anderem ab von:
- Speichertopologie,
- Akkutechnik,
- Ladeleistung,
- Entladeleistung,
- Temperatur,
- Wechselrichter,
- Stand-by,
- Regelung,
- Nutzung.
Für eine erste Wirtschaftlichkeitsrechnung sind Szenarien daher oft ehrlicher als ein einzelner Datenblattwert.
Beispielsweise:
10 % Verluste: optimistisches Szenario 20 %: mittleres Rechenszenario 30 %: konservativer Stresstest
Das sind keine Behauptungen darüber, wie effizient ein bestimmtes Produkt arbeitet.
Wann Verluste besonders stark ins Gewicht fallen
Niedriger Nachtverbrauch
Wenn der Speicher stundenlang nur 50 bis 100 Watt abgibt, kann die Teillasteffizienz wichtiger werden.
Großer Speicher bei kleinem Durchsatz
Ein großer Akku mit hohem Eigenverbrauch kann ungünstig sein, wenn täglich nur wenig Energie verschoben wird.
Winter
Wenig PV-Überschuss bedeutet wenig gespeicherte Energie.
Der feste Eigenverbrauch der Elektronik fällt dann pro genutzter Kilowattstunde stärker ins Gewicht.
Dynamische Tarife
Wenn Netzstrom für beispielsweise 28 Cent geladen und später Netzstrom für 32 Cent ersetzt wird, stehen nur 4 Cent Preisunterschied zur Verfügung.
Davon müssen sämtliche Verluste bezahlt werden.
Die HTW zeigt deshalb ausdrücklich, dass Netzstromspeicherung nur bei ausreichend großem Preisunterschied und ausreichend hohem Systemwirkungsgrad wirtschaftlich ist.
Welche Angaben solltest du beim Kauf prüfen?
Nicht nur:
„Wirkungsgrad 98 %“
lesen.
Interessanter sind:
- Round-Trip-Effizienz, falls seriös angegeben
- Wirkungsgradkurven bei Teilast
- Stand-by-Verbrauch
- Eigenverbrauch
- Reaktionsgeschwindigkeit
- nutzbare Kapazität
- unabhängige Messungen
- transparente Prüfbedingungen
Fehlen diese Daten vollständig, ist das ebenfalls eine Information.
Häufige Fragen
Sind 10 Prozent Speicherverlust realistisch?
Bei effizienten Systemen kann ein niedriger Verlustbereich erreichbar sein. Als pauschaler Wert für jedes Balkonkraftwerk-System wäre die Aussage aber unseriös.
Sind 30 Prozent Verlust zu pessimistisch?
Nicht zwingend, wenn Umwandlung, Teillast, Stand-by und ungünstige Betriebsbedingungen zusammen betrachtet werden. Als konservatives Rechenszenario kann der Wert deshalb hilfreich sein.
Ist AC immer verlustreicher als DC?
Nein. AC kann zusätzliche Umwandlungsschritte verursachen. Die reale Gesamteffizienz hängt trotzdem stark von der Qualität des konkreten Systems ab.
Zählt Stand-by zum Wirkungsgrad?
Nicht jeder Herstellerwert berücksichtigt Stand-by auf dieselbe Weise. Deshalb muss genau geprüft werden, welche Systemgrenze einer Wirkungsgradangabe zugrunde liegt.
Warum ist Teillast beim Balkonkraftwerk so wichtig?
Weil Speicher abends und nachts häufig nur kleine Haushaltslasten versorgen. Genau dort kann sich der Wechselrichterwirkungsgrad deutlich vom optimalen Betriebspunkt unterscheiden.
Fazit
Speicherverluste entstehen nicht nur im Akku.
Sie entstehen im gesamten System.
Wer ausschließlich einen maximalen Wirkungsgrad aus dem Datenblatt betrachtet, kann die reale Leistung deshalb überschätzen.
Für Alltag-PV ist eine andere Frage wichtiger:
Wie viel der tagsüber gespeicherten Solarenergie ersetzt später tatsächlich Netzstrom?
Genau dieser Wert entscheidet über den wirtschaftlichen Nutzen.