Bifaziale Solarmodule klingen nach einer einfachen Verbesserung: Vorderseite nutzt Sonnenlicht, Rückseite zusätzlich reflektiertes Licht – also automatisch mehr Ertrag?
Ganz so einfach ist es nicht. Bifaziale Module können mehr Strom erzeugen, aber der Zusatznutzen hängt stark von Montage, Abstand, Verschattung und der reflektierenden Umgebung ab.
Kurzantwort: Bifazial lohnt sich nur, wenn die Rückseite Licht bekommt
Bifaziale Module können sinnvoll sein, wenn die Rückseite frei ist, ausreichend Licht erhält und die Umgebung Licht gut reflektiert.
Der ADAC nennt unter guten realen Bedingungen einen möglichen Mehrertrag im Bereich von etwa 5 bis 15 Prozent. Das ist kein pauschaler Aufschlag für jedes Balkonkraftwerk und keine Garantie.
Was bedeutet bifazial?
Ein bifaziales Modul kann Licht sowohl auf der Vorderseite als auch auf der Rückseite in elektrische Energie umwandeln.
Der Rückseitenertrag entsteht vor allem aus reflektiertem und diffusem Licht. Deshalb spielen Untergrund, Abstand und freie Rückseite eine große Rolle.
Wann funktioniert der Rückseitenertrag gut?
Helle Umgebung
Helle Flächen reflektieren mehr Licht als dunkle Flächen. Helle Kiesflächen, Dächer oder Wände können deshalb günstiger sein.
Freie Rückseite
Liegt die Rückseite fast direkt an einer dunklen Wand, bleibt wenig Raum für zusätzlichen Lichteinfall.
Genügend Abstand
Etwas Abstand zum Untergrund kann helfen, dass mehr reflektiertes und diffuses Licht die Rückseite erreicht.
Wenig Verschattung
Auch die Rückseite sollte möglichst wenig durch Konstruktion oder benachbarte Module abgeschattet werden.
Wann bifazial wenig bringt
- direkt vor einer dunklen Wand
- kaum Abstand zur Rückseite
- starke Verschattung
- hoher Aufpreis bei ungünstiger Einbausituation
Dann bezahlst du möglicherweise für eine Funktion, die am eigenen Montageort kaum genutzt werden kann.
Bifazial am Balkongeländer
Eine senkrechte Balkonmontage kann prinzipiell geeignet sein, wenn hinter dem Modul genug Licht vorhanden ist. Wie groß der Zusatznutzen ausfällt, hängt aber stark vom Geländer, Abstand, Balkonboden und der Umgebung ab.
Bifazial auf Flachdach oder im Garten
Freistehende und aufgeständerte Systeme können der Rückseite mehr Licht geben. Ein heller Untergrund und ausreichende Montagehöhe verbessern die Voraussetzungen.
Welche Halterung dazu passt, erklären wir in Balkonkraftwerk befestigen.
Mehrertrag ist nicht gleich mehr Ersparnis
Selbst wenn ein bifaziales Modul mehr Energie erzeugt, ist wirtschaftlich entscheidend, ob du diese zusätzliche Energie auch nutzt.
Wenn der Mehrertrag hauptsächlich zu Zeiten entsteht, in denen du ohnehin schon einspeist, kann der finanzielle Zusatznutzen kleiner sein als der energetische Mehrertrag.
Wie wichtig ist der Aufpreis?
Je kleiner der Preisunterschied zu einem vergleichbaren monofazialen Modul, desto leichter lässt sich bifazial rechtfertigen.
Bei einem deutlichen Aufpreis sollte der konkrete Montageort wirklich gute Voraussetzungen für Rückseitenertrag bieten.
Was ist mit vier bifazialen Modulen?
Mehr Modulfläche und bifaziale Technik sind zwei unterschiedliche Hebel. Vier Module können die Erzeugungskurve verbreitern; bifaziale Module können zusätzlich Rückseitenlicht nutzen.
Mehr zu vier Modulen findest du in Balkonkraftwerk mit 4 Modulen.
Der Alltag-PV-Check
- Bekommt die Rückseite tatsächlich Licht?
- Ist die Umgebung hell oder stark reflektierend?
- Gibt es genügend Abstand?
- Wie hoch ist der Aufpreis?
- Kann der zusätzliche Ertrag sinnvoll genutzt werden?
Quelle zur Größenordnung
ADAC: Bifaziale Module – wann sie sich lohnen
Fazit
Bifaziale Module sind weder Marketing-Unsinn noch automatisch die bessere Wahl. Sie können einen echten Mehrertrag liefern, wenn die Rückseite unter realen Bedingungen Licht bekommt.
Die richtige Frage lautet deshalb nicht: „Ist bifazial besser?“ Sondern: „Kann meine konkrete Montage den Vorteil überhaupt nutzen?“